Zum Inhalt springen

Neueste Beiträge

Alle Texte vollständig und in zeitlicher Reihenfolge.

Gedanken mit Haltung. – Warum dieser Blog einen neuen Namen trägt

Ein neuer Name ist selten nur eine neue Überschrift. Er ist ein Versprechen. Vielleicht sogar eine kleine Verpflichtung.

Dieser Blog trägt künftig den Namen „Gedanken mit Haltung.“ Der Name beschreibt besser, was dieser Ort sein soll: kein Nachrichtenportal, keine politische Verlautbarungsseite und auch keine Sammlung vermeintlich endgültiger Wahrheiten. Vielmehr soll hier Raum für persönliche Gedanken entstehen – über Politik und Gesellschaft, über Verantwortung, Beruf und Familie, über das, was uns im Alltag begegnet, und über die Fragen, die sich nicht immer mit einem schnellen Satz beantworten lassen.

Dabei sollen diese Gedanken nicht beliebig bleiben. Sie sollen von einer Haltung getragen werden.

Haltung ist mehr als eine Meinung

Meinungen haben wir viele. Sie entstehen schnell, verändern sich und werden heute oft in wenigen Worten öffentlich gemacht. Ein Kommentar, ein Beitrag, ein empörter Satz – und schon ist die eigene Position in der Welt.

Haltung geht tiefer: Haltung zeigt sich nicht nur darin, was wir sagen, sondern auch darin, wie wir anderen Menschen begegnen. Sie zeigt sich darin, ob wir Verantwortung übernehmen, ob wir bereit sind zuzuhören und ob unsere Überzeugungen auch dann Bestand haben, wenn sie unbequem werden.

Haltung bedeutet für mich nicht, immer recht zu haben. Sie bedeutet auch nicht, unbeweglich auf einer Position zu beharren. Im Gegenteil: Zu einer gefestigten Haltung gehört die Bereitschaft, die eigenen Ansichten zu hinterfragen, neue Argumente anzunehmen und Fehler einzugestehen.

Man kann seine Meinung ändern, ohne seine Haltung zu verlieren. Denn Haltung entsteht aus grundlegenden Überzeugungen: aus Respekt vor der Würde jedes Menschen, aus Verantwortungsbewusstsein, aus Verlässlichkeit und aus dem Willen, unsere Gesellschaft nicht nur zu beobachten, sondern sie mitzugestalten.

Warum Haltung heute wichtiger denn je ist

Wir leben in einer Zeit, in der nahezu jede Frage innerhalb kürzester Zeit zu einem gesellschaftlichen Konflikt werden kann. Debatten werden schneller, lauter und schärfer. Häufig scheint es wichtiger zu sein, die eigene Seite zu bestätigen, als die Argumente der anderen Seite überhaupt noch anzuhören.

Zwischentöne haben es schwer. Zweifel werden als Schwäche betrachtet. Kompromisse gelten schnell als Verrat an der eigenen Sache. Menschen werden nicht mehr nur für einzelne Aussagen kritisiert, sondern als Person eingeordnet, bewertet und aussortiert.

Gerade deshalb braucht unsere Gesellschaft Haltung. Sie braucht Menschen, die widersprechen können, ohne den anderen herabzusetzen. Menschen, die nicht schweigen, wenn Grenzen überschritten werden. Menschen, die Verantwortung nicht ständig bei „der Politik“, „den Medien“, „der Wirtschaft“ oder irgendeiner anderen anonymen Gruppe abladen.

Eine Gesellschaft besteht nicht nur aus Institutionen. Sie besteht aus uns allen.

Haltung zeigt sich deshalb nicht erst bei den großen politischen und moralischen Fragen. Sie beginnt im Alltag: im Umgang mit Menschen, die anderer Meinung sind; in der Bereitschaft, sich für das Gemeinwesen zu engagieren; im ehrlichen Umgang mit eigenen Fehlern; in der Frage, wie wir mit Schwächeren umgehen; und darin, ob wir Verantwortung übernehmen, wenn Wegsehen bequemer wäre.

Haltung ist kein Privileg der Lauten

Wer Haltung zeigt, muss nicht ständig laut sein. Nicht jede Überzeugung braucht Empörung, und nicht jeder Konflikt verlangt nach maximaler Zuspitzung.

Manchmal zeigt sich Haltung gerade in der Ruhe.Darin, eine Diskussion nicht abzubrechen. Darin, einen Menschen nicht auf einen einzigen Satz zu reduzieren. Darin, zwischen einem schlechten Argument und einem schlechten Menschen unterscheiden zu können. Und darin, auch die eigene politische oder gesellschaftliche „Seite“ zu kritisieren, wenn es notwendig ist.

Haltung bedeutet nicht, sich über andere zu stellen. Sie bedeutet, selbst einen Standpunkt einzunehmen und zugleich anzuerkennen, dass auch andere Menschen Erfahrungen, Beweggründe und Überzeugungen haben.

Das ist anstrengender als ein schnelles Urteil. Aber ohne diese Anstrengung kann gesellschaftliches Zusammenleben auf Dauer nicht gelingen.

Ein persönlicher Blog – aber keine private Belanglosigkeit

Dieser Blog wird persönlich bleiben. Denn Haltung lässt sich nicht losgelöst von der eigenen Geschichte betrachten.

Berufliche Erfahrungen, politisches Engagement, Familie, gesellschaftliche Veränderungen, Begegnungen und manchmal auch ganz alltägliche Beobachtungen prägen den Blick auf die Welt. Sie beeinflussen, welche Themen uns beschäftigen und welche Fragen wir uns stellen.

Hier soll deshalb künftig wieder häufiger geschrieben werden: Über gesellschaftliche Entwicklungen und politische Verantwortung. Über das Ehrenamt und den Wert verbindlicher Gemeinschaften. Über soziale Fragen, Arbeit, Wirtschaft und die Herausforderungen eines Staates, der den Menschen dienen soll, sich aber mitunter selbst im Weg steht. Über Familie, persönliche Veränderungen, neue Vorhaben und Erfahrungen, die zum Nachdenken anregen.

Nicht jeder Beitrag wird politisch sein. Nicht jeder Gedanke wird eine große gesellschaftliche Antwort liefern. Manchmal wird es um eine konkrete Beobachtung gehen, manchmal um eine grundsätzliche Frage und gelegentlich vielleicht auch um etwas, das zunächst nebensächlich erscheint.

Der verbindende Gedanke soll jedoch bleiben: Es geht nicht nur darum, was geschieht. Es geht auch darum, wie wir uns dazu verhalten.

Denken, schreiben und widersprechen

„Gedanken mit Haltung.“ soll keine Kanzel sein. Dieser Blog soll ein Ort des Nachdenkens und des Austauschs werden.

Dazu gehört auch Widerspruch: Wer öffentlich schreibt, muss damit rechnen, dass andere Menschen die Dinge anders sehen. Das ist nicht nur unvermeidlich, sondern notwendig. Demokratie lebt nicht von vollständiger Übereinstimmung. Sie lebt davon, dass unterschiedliche Überzeugungen friedlich aufeinandertreffen und dass wir trotz aller Unterschiede miteinander im Gespräch bleiben.

Die Grenze ist dort erreicht, wo Menschen verächtlich gemacht, bedroht oder bewusst ausgegrenzt werden. Eine offene Debatte braucht Freiheit – aber ebenso Verantwortung und Respekt. Auch das ist Haltung.

Ein neuer Anfang

Der neue Name ist deshalb zugleich ein neuer Anfang. Dieser Blog soll wieder lebendiger werden. Nicht mit dem Anspruch, zu jedem Ereignis sofort etwas sagen zu müssen. Nicht getrieben von Reichweite, Geschwindigkeit oder dem nächsten Aufreger. Sondern mit Zeit für Gedanken, die es wert sind, ausgesprochen und diskutiert zu werden.

Vielleicht wird nicht jeder Text eine fertige Antwort enthalten. Manche Beiträge werden eher eine Frage formulieren. Andere werden eine klare Position vertreten. Und vermutlich wird es Gedanken geben, die sich im Laufe der Zeit verändern. Auch das gehört dazu.

Haltung bedeutet nicht, am einmal Gesagten festzuhalten, nur um keine Schwäche zu zeigen. Haltung bedeutet, sich selbst treu zu bleiben und dennoch offen für Erkenntnis zu sein.

Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, sich einbringen und einander trotz unterschiedlicher Auffassungen als Menschen respektieren. Sie braucht weniger vorschnelle Etiketten und mehr ernsthaftes Interesse. Weniger Empörung als Selbstzweck und mehr Bereitschaft, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Dieser Blog möchte dazu einen kleinen Beitrag leisten. Mit persönlichen Gedanken. Mit klaren Standpunkten. Mit der Bereitschaft zum Widerspruch und zum Zuhören.

Mit Haltung.

Warum Einsatzrückkehrer kein Handeschütteln brauchen

Es ist fraglos nicht alles in den letzten Jahren perfekt gewesen für deutsche Soldatinnen und Soldaten. Es gibt gute und berechtigte Gründe für Kritik. Derzeit findet aber eine Diskussion statt, die ich für unredlich halte.

Seit Mitte letzter Woche, als die letzten Soldaten ausgeflogen wurden, hält diese Diskussion an und Politiker springen auf diesen Zug auf und versichern, sie würden die Arbeit der Soldaten schätzen und wären gerne gekommen.

Die fehlende Präsenz von Politikern bei der Rückkehr der letzten Einsatzsoldaten ließe tief blicken und sei „respektlos, würdelos, achtungslos“.

Ich weiß, wie es sich anfühlt, Soldat zu sein und ich weiß, wie es sich anfühlt, im Einsatz zu sein und zurückzukommen. Vor 20 Jahren begann meine Dienstzeit als Soldat und von Januar bis Juli 2004 war ich im Einsatz in Afghanistan.
Soldaten sind nicht Soldaten geworden, weil sie Anerkennung wollen. Es sind gerade in den Auslandseinsätzen Profis in ihrem Bereich, die auf diese Verwendung über Monate hinweg hin ausgebildet wurden. Sie erwarten, dass Ihnen die Mittel zur Verfügung gestellt werden, um ihren Auftrag zu erfülllen. Eine mangelhafte Ausstattung mit Personal und Material ist respektlos.

Entgegen dem Eindruck, der gerne in den Medien transportiert wird, gab es schon immer Appelle für Soldatinnen und Soldaten, sowohl zur Verabschiedung in den Einsatz als auch nach der Rückkehr. Aber in der Nähe des Standortes und mit einigen Wochen Abstand. Mich hat 2004 kein Politiker am Flughafen in Berlin begrüßt und das war gut so. Ich war gerade ein halbes Jahr ohne jede Privatsphäre bei zuletzt über 40 °C in einem Feldlager, in dem der Staub sich überall festsetzt und man fast durchgehend seinen Dienst verrichtet. Ich wollte am Flughafen in den Sammeltransport Richtung Heimat, Duschen und ins Bett und nicht von fremden Leuten begrüßt werden. Wenn man die Soldaten in so einer Situation nicht mit vermeintlich gut gemeinten Willkommensveranstaltungen aufhält, ist das in meinen Augen sogar sehr respektabel.

Hinzu kommt, dass eine solche Begrüßung auch einen falschen Eindruck bei den Soldaten hervorrufen kann. Auch, wenn viele Politiker hehre Ziele verfolgen, bin ich mir sicher, dass auch eine solche Veranstaltungen nicht ohne Presse und Eigendarstellung der Politiker einhergehen wird. Wenn bei den Rückkehrern dann der Eindruck entsteht, man würde sie aus PR-Gründen instrumentalisieren, das würde das gerade die Achtungslosigkeit bedeuten, die kritisiert wurde.

Was ich in diesem Zusammenhang aber tatsächlich respektlos finde, ist der Journalismus, der die Soldatinnen und Soldaten instrumentalisiert, um mit einer billigen Politikschelte Auflage zu erreichen, ohne dass dies in ihrem Sinne wäre. Einsatzrückkehrer brauchen kein Händeschütteln.

Genug ist genug

Fünf Jahre. Über fünf Jahre lag dieser Blog im Schneewittchenschlaf. Die Welt dreht sich weiter und ich mich auch. Zweiteres allerdings nicht so viel, mir wird leicht schwindelig. Aber was in den letzten Monaten in diesem Land und darüber hinaus passiert ist, hat mich in einer Weise beunruhigt, dass ich nicht weiter bereit bin, mir lediglich passiv mit den Dingen zu beschäftigen. Ich bin derzeit so angefasst wie selten zuvor. Und ich bin nicht bereit, weiter zur schweigenden Masse zu gehören, die angesichts von Verschwörungstheoretikern, Coronaleugnern und Demokratiefeinden nur mit dem Kopf schüttelt und dies nicht thematisiert. Dem Eindruck, dass diese Personen irgendeine relevante Masse erreichen, muss man mit aller Entschiedenheit entgegentreten.

Ganz schön staubig

29. November 2014 – dieses Datum springt mir jedes Mal ins Auge, wenn ich meinen Blog aufrufe, um – da bin ich ehrlich – die notwendigen Updates zu fahren oder zu schauen, ob alles im Reinen ist. An diesem Tag habe ich meinen letzten Post hier veröffentlicht. Zu einem Beitrag hat es aber zwischenzeitlich nicht gereicht, wobei mir weniger die Themen, als die Zeit gefehlt haben. Ich gelobe Besserung. Daher kann dieser Post hier als Auftakt für eine neuerliche Aktivitätsphase genommen werden, denn zumindest für eine Weile hält eine gewisse Aktivität bei mir ja vor.